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MH17 – Die andere Seite

23-05-2014 11-12-09

Für die Massenmedien schienen bereits von Anfang an die Schuldigen für den tragischen Absturz des malaysischen Flugzeugs über der Ukraine fest zu stehen. Obwohl es keine stichhaltigen Beweise gibt, werden Russland und die sogenannten ukrainischen Separatisten für den Tod von 298 Menschen verantwortlich gemacht. Die ganze Berichtserstattung gleicht einer medialen propagandistischen Kriegshetze, in der wichtige Fragen (absichtlich?) nicht gestellt, Aussagen von den bereits vorverurteilten Parteien komplett ausgeblendet und alle nicht genehmen Erklärungsversuche als Verschwörungstheorien abgetan werden. Für mich zeigt dies wieder einmal sehr deutlich, dass es kaum noch wirklichen Journalismus gibt.

Das Motiv

Grundsätzlich stellt sich die Frage, welches die Motiv die Volksmilizen im Donezbecken zu einer solchen Tat veranlassen sollte und ob sie überhaupt die militärischen Möglichkeiten haben, ein ziviles Flugzeug im 10km Höhe abzuschiessen. Wie das Contra-Magazin berichtet, hat der ukrainische Staatsanwalt Vitali Yarema in einem Interview erklärt: „Die Volkswehr-Milizen haben bei den Kampfhandlungen gegen die regulären Kräfte keine Fla-Raketenkomplexe erbeutet. Als das Passagierflugzeug abgeschossen wurde, teilten die Militärs dem Präsidenten mit, dass die Terroristen keine Raketensysteme der Typen Buk und S 300 von uns haben. Solche Waffen wurden nicht erbeutet.“ Aufgrund dieser Aussage kann man zudem darauf schliessen, dass zumindest das ukrainische Militär die Möglichkeiten hat Flugzeuge in grossen Höhen abzuschiessen. Trotzdem schien für den ukrainischen Präsidenten Poroschenko festzustehen, dass die Volksmilizen für den Abschuss verantwortlich sind. [1]

Folglich wurde Russland beschuldigt, den Volksmilizen solche Waffensysteme geliefert zu haben und somit für den Abschuss der malaysischen Passagiermaschine verantwortlich zu sein. Jedoch stellt sich auch hier die Frage nach dem Motiv. Hätte Russland einen offenen Konflikt gesucht, hätten sie schon längst die Möglichkeit dazu gehabt, spätestens als ukrainische Artilleriegeschosse im russischen Hoheitsgebiet einschlugen. [2] Zudem rief der russische Präsident Putin auch nach dem Absturz von MH-17 die ukrainische Regierung und die Volksmilizen zu einer Waffenruhe auf, damit neue Verhandlungen ermöglicht werden können. [3]

Unbeantwortete Fragen

Am 18. Juli hat sich der stellvertretende russische Verteidigungsminister Anatoly Antonov gemäss Russian Today über die Berichterstattung der westlichen Medien gewundert, welche bereits 24h nach der Tragödie den Schuldigen identifiziert haben ohne einen einzigen Beweise vorzulegen. Anstatt den Vorfall für haltlose Beschuldigungen einer Seite zu missbrauchen, sollte diese Möglichkeit seines Erachtens genutzt werden, um die Zusammenarbeit wiederaufzunehmen und solche Tragödien in Zukunft zu verhindern. Gleichzeitig stellte er 10 Fragen an die ukrainische Regierung, deren Beantwortung zur Aufklärung des Vorfalls beitragen würden.

  1. Unmittelbar nach der Tragödie haben die ukrainischen Behörden die Volksmilizen dafür verantwortlich gemacht. Worauf basieren diese Anschuldigungen?
  2. Kann Kiew detailliert erklären wie sie Buk-Raketensystemen im Konfliktgebiet einsetzt? Warum wurden die Systeme dort überhaupt eingesetzt, da die Volksmiliz keine Flugzeuge besitzt?
  3. Warum unternehmen die ukrainischen Behörden nicht alles nötige, um eine internationale Kommission einzuberufen? Wann wird eine solche Kommission ihre Arbeit aufnehmen?
  4. Wäre das ukrainische Militär dazu bereit, internationalen Ermittlern eine Bestandsaufnahme ihrer Luft-Luft und Boden-Luft-Raketen zu gestatten?
  5. Wird die internationale Kommission Zugang über die Bewegungen von ukrainischen Kampfflugzeugen am Tag der Tragödie von verlässlichen Quellen erhalten?
  6. Warum hat die ukrainische Flugleitung dem Flugzeug gestattet von der regulären Strecke in die im Norden gelegene „Anti-Terror-Operation-Zone“ abzuweichen?
  7. Warum wurde der Luftraum über dem Kriegsgebiet für zivile Flugzeuge nicht gesperrt, insbesonders da das Gebiet nicht vollständig vom Radar abgedeckt war?
  8. Wie äussert sich Kiew offiziell zu Berichten in den sozialen Medien eines angeblich in der Ukraine arbeitenden spanischen Fluglotsen, dass zwei ukrainische Militärflugzeuge neben der Boeing über ukrainischem Territorium flogen?
  9. Warum hat der ukrainische Sicherheitsdienst angefangen an den Sprachaufzeichnungen zwischen den ukrainischen Fluglotsen und der Boeing-Crew und den aufgezeichneten Radardaten zu arbeiten, ohne auf die internationalen Ermittler zu warten?
  10. Welche Lektion hat die Ukraine von einem ähnlichen Zwischenfall in 2001 gelernt, als eine russische TU-154 ins Schwarze Meer gestürzt ist? Damals hatten die ukrainischen Behörden jegliche Beteiligung des Militärs abgestritten bis unwiderlegbare Beweise die Schuld von Kiew offiziell bestätigten. [4]

Meines Wissens nach haben sich die ukrainischen Behörden bislang nicht zu diesen Fragen geäussert. Wie die Deutschen Wirtschafts Nachrichten berichten, war es dann auch Generalleutnant Andrej Kartopolow vom russischen Generalstab, welcher am 21. Juli in Moskau erstmalig Radar- und Schaubilder von der Tragödie präsentierte. Diese Indizien sollen zeigen, dass unmittelbar vom dem Abschuss ein ukrainischer Kampfjet vom Typ SU-25 auf das malaysische Flugzeug zugeflogen sei, welche üblicherweise mit Luft-Luft-Raketen ausgestattet sind. Kartopolow forderte die Ukraine auf, „zu erklären, welche Bewandtnis es mit diesem Jet habe. Vor allem müsse die Ukraine erklären, wie ein Kampfflugzeug in einen zivilen Luftkorridor geraten könne. Es sei weiters zu klären, gegen wen die Ukraine eine solche Maschine habe einsetzen wollen. Die Rebellen verfügen über keine Luftstreitkräfte.“ [5] Er präsentierte auch Satellitenaufnahmen, die zeigen, dass die ukrainische Armee 3-4 Buk-Raketensystem in der Ostukraine stationiert hatten. Gemäss den Aufnahmen wurden die Raketensysteme kurz vor dem Abschuss der Passagiermaschine in die Nähe der von den Volksmilizien kontrollierten Region verlegt und waren am 18. Juli bereits wieder abgezogen. Das russische Militär registrierte zudem, dass am 17.Juli 9 Radaranlagen in der Region in Betrieb waren und in den nachfolgenden Tagen nur noch 2-4. Darüber hinaus bemerkte er, dass sich ein amerikanischer Satellit über dem Gebiet befand, als die Maschine abgeschossen wurde und forderte die Amerikaner auf die Satellitendaten zu veröffentlichen. [6]

Fehlende Beweise

Nach einigem Zögern hat die US-Regierung am 22. Juli via Barbara Star von CNN ein Satellitenfoto veröffentlicht. Merkwürdigerweise stammt das Foto offensichtlich nicht von der CIA, sondern von der privaten Bildagentur DigitalGlobe und ist auf das Jahr 2010 datiert. Es zeigt somit nicht, was am Unglückstag geschah und ist eine Fotomontage. Trotzdem wird das Foto als erster Beleg bezeichnet, dass die malaysische Passagiermaschine von den Volksmilizen in der Ost-Ukraine abgeschossen wurde. Vitaly Nayda, Pressesprecher des ukrainischen Geheimdienstes behauptete zudem: „Ein von den Russen trainierter, gut ausgerüsteter, gut ausgebildeter Offizier hat den Abschuss-Knopf ganz bewusst gedrückt.“ Beweise für diese Aussage konnten bislang jedoch weder die Ukraine noch die USA vorlegen. [7]

Laut Artikeln des Investigationsjournalisten Robert Parry vom 20. und 22. Juli auf Consortiumnews.com haben die amerikanischen Geheimdienste jedoch detaillierte Satellitenaufnahmen des Raketensystems, welches höchst wahrscheinlich die Rakete abgefeuert hat. Allerdings sollen auf den Aufnahmen ukrainische Regierungstruppen in ukrainischen Uniformen zu sehen sein. Die CIA-Analysten schliessen noch nicht aus, dass es auch Volksmilizen in ähnlichen Uniformen sein könnten, aber ersten Einschätzungen zufolge handelt es sich um ukrainische Soldaten. Zudem besteht der Verdacht, dass die beteiligten Soldaten betrunken waren, da auf den Bilder bierflaschen-ähnliche Gegenstände zu sehen seien. [8] Dies erschwert es natürlich der US-Regierung, weiterhin Russland und die Volksmilizen für den Abschuss verantwortlich zu machen. Deshalb scheint man jetzt zu versuchen, die Beweise so hinzudrehen, dass die angestrebten Ziele Russland und die Volksmilizen in die Verantwortung zu ziehen, dennoch erreicht werden können. Diese Strategie wurde bekanntlich schon mit den angeblichen Massenvernichtungswaffen im Irak verfolgt. Mitarbeiter der amerikanischen Geheimdienste liessen verlauten, dass es sich bei der Person, welche die Rakete abgefeuert hat, um einen ukrainischen Überläufer handeln könnte. Dies könnte erklären, warum die Analysten auf den Satellitenbildern Soldaten in ukrainischer Uniform sahen. Die offensichtlichere Erklärung ist allerdings, dass die Rakete von einem Mitglied des ukrainischen Militärs abgefeuert wurde. Die US-Geheimdienste scheinen allerdings nicht gewillt diese Erklärung zu akzeptieren, da sie die Beweisführung der US-Regierung zunichtemachen würde. [9] Merkwürdig an der Geschichte ist, dass zuerst von mehreren Soldaten auf den Satellitenbildern die Rede ist und plötzlich nur noch von einem einzigen Überläufer.

Eine weitere Merkwürdigkeit besteht darin, dass Anton Gerashchenko, Berater des ukrainischen Innenministers und Chef eines Ministeriums für interne Propaganda, unmittelbar nach dem Absturz bereits wusste, dass MH17 von einer Rakete des Raketensystems Buk getroffen wurde, wie Michel Chossudovsk in seinem Artikel auf NSNBC.me berichtet. Von wo hatte er diese Information noch bevor es eine Untersuchung der Absturzstelle gab? Chossudovsk weist zudem darauf hin, dass das Innenministerium verantwortlich für die internen Militäroperationen gegen die Volksmilizen in Lugansk und Donbass in Abstimmung mit dem Militär ist. Das Ministerium steuert die internen Truppen (VVU) und auch die Nationalgarde. [10]

[1] http://www.contra-magazin.com/2014/07/flugzeugabsturz-mh17-die-suche-nach-dem-schuldigen/

[2] http://rt.com/news/172404-russian-donetsk-shelled-victims/

[3] http://deutsche-wirtschafts-nachrichten.de/2014/07/18/nach-absturz-von-mh17-putin-fordert-ukraine-zur-waffenruhe-auf/

[4] http://rt.com/news/173976-mh17-crash-questions-ukraine/

[5] http://deutsche-wirtschafts-nachrichten.de/2014/07/21/russland-ukrainischer-kampf-jet-war-vor-abschuss-in-der-naehe-von-mh17/

[6] http://www.mid.ru/bdomp/brp_4.nsf/e78a48070f128a7b43256999005bcbb3/ecd62987d4816ca344257d1d00251c76!OpenDocument

[7] http://deutsche-wirtschafts-nachrichten.de/2014/07/22/abschuss-mh17-us-regierung-legt-erstes-satelliten-foto-vor/

[Satellitenfoto] http://deutsche-wirtschafts-nachrichten.de/wp-content/uploads/2014/07/mh-cnn-e1406054347209.jpg

[8] http://consortiumnews.com/2014/07/20/what-did-us-spy-satellites-see-in-ukraine/

[9] http://consortiumnews.com/2014/07/22/the-mystery-of-a-ukrainian-army-defector/

[10] http://nsnbc.me/2014/07/19/ukraines-ministry-interior-behind-downing-malaysian-airlines-mh17/

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Markus Baer

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